Kräuterkunde Juli 2014

Kräuterkunde Juli 2014

Kräuter und Pflanzen für Pferde – gesund oder giftig?

Immer mehr Pferdemenschen beschäftigen sich mit Heilpraktiken wie Globuli, Schüßler-Salzen und Kräutern. Zum Thema Kräuter möchte ich meine Erfahrungen teilen und die wichtigsten sowie bekanntesten Pflanzen hier auflisten.

Ein gesunder Trend: den Organismus des Pferdes mit Kräutern zu unterstützen. Beinahe jedes Zusatz- oder Mischfutter enthält natürliche Kräuter, die den Pferdekörper positiv beeinflussen können.

Auf die Kräuter gekommen bin ich tatsächlich durch Kamillentee im Winter. Klingt komisch, ist aber so. Mexx hat oft zu wenig getrunken – das sah man an seinen Hautfalten am Popo. Also habe ich überlegt, wie ich ihn zum Trinken animieren kann. Schwuppdiwupp verschwanden sämtliche Kamillenteebeutel aus meinem Haushalt und landeten im Spind am Stall. Abgekühlten Kamillentee fand Mexx nämlich so großartig, dass er den Wassereimer auf Anhieb leer getrunken hat.

Daraufhin habe ich mich intensiver mit Kräutern beschäftigt. Ich fing an, die Sorten zu wechseln: Salbei mag er nicht so gern, aber Brennnesseltee findet er klasse. Doch welche Kräuter haben welche Wirkung – und kann man bei der Fütterung etwas falsch machen?


Das Wichtigste zusammengefasst

  • Kräuter sollten immer nur kurweise gefüttert werden.

  • Eine dauerhafte Fütterung sollte nur in Absprache mit einem Tierarzt oder – noch besser – mit einem erfahrenen Tierheilpraktiker erfolgen.

  • Eine Kräuterkur dauert in der Regel 4–6 Wochen, danach sollten mindestens zwei Wochen kräuterfrei gefüttert werden.

  • Auch die Mischung von Kräutern sollte fachlich abgestimmt werden, da sich Kräuter gegenseitig beeinflussen und Wechselwirkungen hervorrufen können.

  • Die Dosierung ist entscheidend: Auch Kräuter können überdosiert werden und Nebenwirkungen verursachen.

  • Manche Pflanzen wirken bereits in geringen Mengen giftig und können Pferde schwer krank machen oder sogar töten.

Daher hier ein kleiner Crashkurs für den Umgang mit Kräutern beim Pferd.


Heilkräuter für Pferde

Brennnessel

Wir lieben diese Pflanze mit Vorsicht – jeder kennt das Brennen auf der Haut. Doch sie kann viel mehr:
Sie lindert Allergiesymptome, spült die Blase und stärkt das Immunsystem.
➡️ Nur getrocknet und als Jungpflanze verfüttern, im zunehmenden Alter kann sie giftig wirken.
➡️ Max. 40 g täglich, als Tee oder Kraut. Immer ausreichend frisches Wasser anbieten.

Spitzwegerich

Wächst auf Wiesen, an Wegesrändern und im Wald.
Äußerlich wirkt der Pflanzensaft desinfizierend und beruhigt Insektenstiche.
Innerlich wirkt Spitzwegerich schleimlösend und auswurffördernd – ideal bei Atemwegserkrankungen.

Löwenzahn (in Gedenken an Peter Lustig 🌼)

Als Tee wirkt er entschlackend und unterstützt Leber und Nieren.
Er entwässert, stärkt das Immunsystem und kann Haut- sowie Fellprobleme lindern.
➡️ Max. 10–40 g täglich.

Mariendistel

Eine der wirksamsten natürlichen Leberheilpflanzen – oft sogar effektiver als synthetische Mittel.
Sie unterstützt Leber und Nieren und hilft, Giftstoffe aus dem Körper auszuleiten.

Brombeerblätter

Liefern Vitamin C, Kalzium, Kalium und Gerbstoffe.
Gerbstoffe wirken keimhemmend, stärken die Darmflora und helfen bei Durchfall, Kotwasser und Schleimhautentzündungen.
➡️ Blätter sammeln, trocknen und für den Winter aufbewahren.

Ginkgoblätter

Fördern die Durchblutung, stärken Gefäße und unterstützen die Blutzirkulation in Haut, Hufen, Gehirn und Organen.
Hilfreich bei Altersproblemen, Unruhe und Orientierungslosigkeit.

Teufelskralle

Ein aus Afrika stammendes Naturmittel zur Unterstützung der Gelenke und Beweglichkeit.
➡️ Wirkt entzündungshemmend, kann jedoch knorpelabbauend wirken – daher nicht dauerhaft füttern.

Weidenrinde & Mädesüß

Das „Aspirin der Pflanzenwelt“.
Wirken krampflösend, schmerzlindernd und unterstützen bei Magenproblemen.
➡️ Fördern die Fließfähigkeit des Blutes.

Schwarzkümmel

Unterstützt Haut, Lunge, Darm und Schleimhäute.
➡️ Samen frisch schroten und füttern.


Giftpflanzen – unbedingt meiden!

Pferde wissen nicht zuverlässig, was giftig ist. Mein eigenes Pferd frisst Farn und Efeu – beides in hoher Dosis giftig. Daher sollten Pferdebesitzer Giftpflanzen erkennen können.

Hochgiftige Pflanzen:

  1. Jakobskreuzkraut – hochgiftig, auch im Heu

  2. Eibe – kleinste Mengen tödlich

  3. Blauer Eisenhut – giftigste Pflanze Mitteleuropas

  4. Fingerhut – enthält Digitalis

  5. Tollkirsche, Bilsenkraut, Stechapfel

  6. Herbstzeitlose – oft mit Bärlauch verwechselt

  7. Gefleckter Schierling


Richtiger Umgang mit Giftpflanzen

  • Weiden und Ausreitwege regelmäßig kontrollieren

  • Giftpflanzen inkl. Wurzeln entfernen

  • Niemals ausgegrabene Pflanzen liegen lassen

  • Nur mit Handschuhen anfassen

  • Heu vor dem Verfüttern prüfen


Erste Hilfe bei Vergiftungsverdacht

➡️ Sofort Tierarzt kontaktieren!
Bereithalten:

  • Pflanze identifizieren (Foto oder Reste sichern)

  • Symptome beobachten (Kolik, Zittern, Atemnot, Lähmung etc.)


Tipp

Die Cavallo-Giftpflanzen-App (4,99 €, iOS & Android) ist ein absolutes Must-have für Pferdebesitzer.