Memo an mich Mai 2014

Memo an mich Mai 2014

Memo an mich selbst – oder: Wie konsequente Inkonsequenz alles versaut!

Wer kennt es nicht? Man kommt vom Lehrgang, von einer Messe oder hat nur gute Lehrvideos bei YouTube gesehen – die Motivation ist auf High-End-Level. Man will mit seinem Pferd schnell weiterkommen und den nächsten Schritt erreichen. Diese Motivation hält oft lange an, aber ehe man sich versieht, ist man im Alltagstrott und fällt doch schnell wieder in alte Muster.

Ich bin da ein absolutes Beispiel: „konsequent inkonsequent“ können Mexx und ich am besten. :-)

Daher ist dieser Blogbeitrag eine Erinnerung an mich selbst:
"Delia, achte darauf, deine Ziele, die du mit deinem Pferd erreichen magst, nie aus den Augen zu verlieren. Auch wenn mal wenig Zeit für die Stallroutine vorhanden ist – bleib konsequent und sei mit Liebe zum Detail dabei. Werde nicht hastig, wenn etwas nicht klappt, und höre auf dein Pferd!"

Hier meine 10 Tipps, um den Pferdealltag besser zu gestalten und die Routine am Stall auch in stressigen oder inkonsequenten Zeiten so gut es geht beizubehalten:


1. Geduld

Kleine Schritte bringen dich schneller ans Ziel. Wenn dein Pferd etwas noch nicht kann oder versteht, wird es Zeit brauchen. Gibst du ihm diese Zeit nicht, geht es drei Schritte zurück. Drei Schritte zurück sind weiter weg vom Ziel als fünf kleine Babysteps nach vorn. Dafür braucht man in Mathe keine gute Note, um es zu verstehen.


2. Abwechslung

Natürlich ist es – beispielsweise in der Klausurphase oder während stressiger Arbeitsphasen – einfach, das Pferd jeden Tag zu longieren. Läuft meist stressfrei ab, und man hat sein Gewissen beruhigt, das Tier körperlich gefördert zu haben. Ich selbst habe die Longe Tag für Tag benutzt, anstatt mein Pferd anders zu fördern. Irgendwann hat Mexx schon die Ohren angelegt, wenn ich mit dem Kappzaum aus der Sattelkammer kam. Oh, ok – so hat er mir deutlich gezeigt, dass er heute keine Lust auf Longenarbeit hat.

Daher versuche ich, die Signale zu lesen, ob mein Pferd heute genau Lust auf die Arbeit hat, die ich mir auf dem Hinweg zum Stall überlegt habe – und vor allem, was in meinen Zeitplan passt. Ich versuche aktuell, mein Pferd jeden Tag anders zu beschäftigen und die Wiederholungen von Reiten, Longieren, Ausreiten, Spazierengehen oder Bodenarbeit regelmäßig und abwechslungsreich zu gestalten.

Beispiel: Gymnastizieren vom Sattel aus sollte maximal zweimal pro Woche durchgeführt werden. Das Ergebnis: Mein Pferd arbeitet viel motivierter und konzentrierter.


3. Konzentration

Oft beobachte ich, dass ich durch Ablenkung oder Quatscherei mit Stallfreundinnen die Erziehung meines Pferdes vergesse. Wenn ich mit Freundinnen ausreite und Mexx merkt, dass ich gedanklich nicht bei ihm bin, macht er sein eigenes Ding und wir sind keine Einheit.

Wenn das Unterhaltungsthema spannender ist als der Ritt selbst, bleibt meine Konzentration nicht beim Pferd. Mexx bleibt dann ungewollt stehen und schnappt sich den nächstbesten Grashalm – unerlaubt.

Warum? Weil er mir damit sagt: „Hey, schön, dass ihr euch da oben gerade über das Wetter und den neuesten Klatsch unterhaltet – dann mach ich halt auch mein Ding.“

Wenn wir spazierengehen und das Pferd nur hinterherläuft, ist das kein gemeinsamer Ausflug MIT dem Pferd, sondern eher FÜR das Pferd – um es zu bewegen. Das sind drastische Beispiele, aber mir ist das oft aufgefallen. Mein Fazit: Mehr darauf achten, MIT dem Pferd Zeit zu teilen, nicht nur FÜR das Pferd.


4. Freude und positive Energie

Gute Laune und Freude sind positive Energien, die Mensch und Pferd spüren. Diese Energie ist die einzige, mit der es Sinn macht, mit einem Pferd zu arbeiten. Wenn wir Freude an den großen und kleinen Dingen empfinden und sie ausstrahlen, wird unser Pferd diese Energie aufnehmen und uns zurückgeben.

Wenn man nur kritisch schaut oder negative Emotionen hochkochen lässt, schickt man Stress und schlechte Laune zum Pferd. Logisch, dass das Pferd dann keine positive Energie zurückgibt.

Oft ist Freude nur eine Frage des Blickwinkels: Sieht man den nicht so schönen Trab des Pferdes oder die Aufmerksamkeit in den Ohren? Beides passiert gleichzeitig – je nach Fokus ist man einmal frustriert und einmal freut man sich.


5. Sicherheit

Sicherheit ist der Stoff, aus dem eine gute Pferd-Mensch-Beziehung gemacht ist. Fühlt sich das Pferd unsicher, erreicht man seine Ziele nicht. Fühlt der Mensch sich unsicher, kann die Angst die Oberhand gewinnen. Beides ist kontraproduktiv.

Sicherheit muss beim Menschen beginnen. Folgende Punkte helfen:

  • Wissen, was man will, und dies ausstrahlen

  • Sicher sein in Entscheidungen – ob Wegentscheidung an einer Kreuzung oder Lektion

  • Selbstsicherheit – die eigenen Entscheidungen vertreten können

Wenn man das erfüllt, kann man auch Sicherheit vom Pferd erwarten.
Sicherheit hat nichts mit Hilfsmitteln, Ausrüstung oder Dominanz zu tun.


6. Rumhängen

Einfach mal mit dem Pferd chillen. Nichts tun, zusammen in der Box sitzen, die Zeit Zeit sein lassen. Das fördert Vertrauen, Gemeinsamkeit, Neugier und Interesse.

So bin ich zum Beispiel mal mit Mexx eingedöst – bis unsere Stallbesitzerin uns erwischt hat. ;-)


7. Loben

Loben kommt oft zu kurz. Wenn eine Aufgabe erfolgreich gelöst wurde, geht man oft direkt zum nächsten Schritt. Man vergisst, kurz innezuhalten und den Erfolg zu genießen.

Mexx fragt mich oft, ob er sein Lob bekommt. Er genießt es, wenn meine Stimme ihn für seine Leistung streichelt und meine Hand durch sein Fell fährt. Loben festigt das Verhalten – wie bei Kindern.


8. Körperhaltung

Die richtige Haltung des Körpers ist wichtig, damit das Pferd seinen Menschen lesen kann. Hängende Schultern oder gebeugter Gang signalisieren Unsicherheit.

Darauf achten:

  • Gerade Schultern

  • Aufrechter Gang

  • Gelassene, unverkrampfte Arme und Hände

  • Fester, selbstbewusster Schritt

Fotos oder Spiegel helfen, die eigene Haltung zu überprüfen.


9. Die eigene Atmung

Meine Trainerin zeigte mir, dass man Pferde durch tiefes Einatmen durchparieren kann. Seitdem achte ich auf meine Atmung: Hastige Atmung erhöht den Puls und signalisiert Stress.

Richtig: Bauchatmung. Hand unter den Bauchnabel legen, Augen schließen, in die Körpermitte atmen. Stabil, entspannt und übertragbar auf das Pferd.


10. Mutig sein

„Vielleicht sollte man öfter das tun, was uns glücklich macht, und nicht nur das, was am besten ist.“ – Pippi Langstrumpf

Es gibt Tage, an denen man alles schaffen kann. Dann ist man mit dem Pferd unschlagbar. Authentizität und Selbstvertrauen schaffen echte Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch.