Microabenteuer zu Pferd Juni 2021

Microabenteuer zu Pferd Juni 2021

Mikroabenteuer – vier Füße und zwölf Hufe auf Tour

Unser erstes Mikroabenteuer liegt hinter uns: ein kleiner Wanderritt mit Übernachtung unter freiem Himmel.

Hier kommt der ausführliche Bericht – und ein kleiner Popotritt an euch, um aus der eigenen Komfortzone auszubrechen!

Als wir alle Vorbereitungen endlich hinter uns hatten, stand der Tag der Wanderung vor der Tür. Wir standen früh auf, um die Ponys noch ordentlich zu füttern, und nach unserem eigenen Frühstück begannen wir, das Gepäck auf den Sätteln zu verstauen.

Wichtig dabei: Man sollte darauf achten, dass das Gewicht des Gepäcks, das auf den Pferderücken kommt, gleichmäßig und beidseitig verteilt ist. Wir Reiterinnen hatten zusätzlich jeweils einen Rucksack dabei. Die Weidepfähle, das mobile Weidezaungerät, Litzen, Wasser und Heu brachten uns unsere Jungs zur Übernachtungsstelle. Alles andere transportierten wir selbst.

Gesagt, getan – auf geht’s auf Wanderschaft!

Wir ritten durch die Wälder der Elfringhauser Schweiz in NRW. Für uns kein fremdes Gebiet, trotzdem kann es vorkommen, dass man an einer Weggabelung im Wald falsch abbiegt und kurz die Orientierung verliert. Das ist Eva und mir gefühlte drölfzig Mal passiert … Aber genau so entdeckt man neue Wege und wunderschöne neue Orte. Und das haben wir.

Wir ritten über Lichtungen, Trampelpfade und durch dichte Waldwege, die wir zuvor noch nicht kannten. Ronja, die Muli-Dame und Neuling in unserer Truppe, schlug sich wacker. Wenn sie unsicher war, hing sie sich an ihre beiden Jungs und meisterte ihre Aufnahmeprüfung als Wanderreitpony – äh, Muli – mit Bravour.

Zwischen Vogelgezwitscher, kleinen Windböen, einer summenden Eva und meinen beiden Ponys neben und unter mir fühlte ich mich pudelwohl. Kilometer für Kilometer ließen wir hinter uns, und als unsere Mägen grummelten, legten wir nach vier Stunden unsere erste Mittagspause ein. Zumindest war das der Plan.

Eva hatte Dosenravioli und einen Campingkocher dabei. Leider funktionierte unser Feuerzeug nicht mehr, sodass wir die heiß ersehnten Ravioli auf das Abendessen verschieben mussten. Trotzdem tat die Pause gut und unsere Popoknochen konnten sich kurz entspannen.

Weiter ging es – noch zwei Stunden wollten wir reiten, um schließlich das Übernachtungslager zu erreichen, wo die Jungs uns den Proviant für die Ponys bringen sollten. Nach insgesamt rund 25 Kilometern Wanderritt, einer Blase am Fuß und einem breiten Grinsen im Gesicht kamen wir endlich an und fielen völlig müde, erschöpft und hungrig auf die Wiese.

Schnell war der Paddock für die Ponys abgesteckt, das Abendessen gekocht und der wohlverdiente Sekt eingeschenkt.

Naja … so schnell ging das dann doch nicht. Wir hatten Probleme mit dem mobilen Weidezaungerät. Das Ding war neu und wir Idioten hatten es vorher nicht ein einziges Mal getestet. Da wir beide keine begabten Elektrotechnikerinnen sind und unsere Müdigkeit mittlerweile die Kontrolle über unsere Gedanken übernommen hatte, waren wir nur eingeschränkt in der Lage, das kleine Problem zu lösen.

Also mussten die Jungs doch länger bleiben als geplant und halfen uns beim Anschließen. Sie mussten sich zwar selbst erst einlesen (das sollte ich hier eigentlich nicht erwähnen – aber Ehrlichkeit gehört dazu), doch am Ende funktionierte alles.

Als wir schließlich zur Ruhe kamen und wieder allein mit unseren vier Füßen und zwölf Hufen waren, wurde uns klar, worum es bei Mikroabenteuern eigentlich geht.

Man muss mutig sein – auch wenn es nur ein kleiner Hauch Mut ist, den man im Alltag zulässt, um stolz auf sich selbst zu sein. Man muss seine Komfortzone verlassen, um Dinge zu erleben, die einen zum Nachdenken anregen: über sich selbst, über die Umwelt oder über Dinge, die man im eigenen Leben vielleicht verändern sollte, um dem „Topf voll Glück“ ein Stück näher zu kommen.

Immer im selben Trott zu stecken und den grauen Alltag einfach zu akzeptieren, ist der falsche Weg. Traut man sich auszubrechen, wird man belohnt – entweder mit dem Gefühl, stolz auf sich selbst zu sein, oder mit neuen Blickwinkeln, die plötzlich ganz leicht zu erkennen sind.

In meinem Fall habe ich in diesen zwei Tagen gelernt, dass meine Tiere mein absoluter Mittelpunkt sind. Ich bin stolz auf uns als Team und sehr dankbar, dass wir gemeinsam glücklich leben dürfen. Ich kann mich in den verrücktesten Lebenslagen auf sie verlassen und darf nie vergessen, wie wertvoll es ist, mein Leben so führen zu dürfen.

Denn wer bei so einer Aussicht aufwachen darf, kann nur glücklich sein.