Westernreiten oder Klassischreiten?
Das lässige Cowgirl oder die elegante Dressurdame?
Eskadron oder LEVI’S?
Königsstiefel oder Ariat Boots?
Wrangler Jeans vs. Cavallo Reithose!
Ich könnte noch 15 weitere Marken der jeweiligen Seite gegenüberstellen. Kurz vorab: Ich reite freizeitmäßig Western. Das bedeutet, dass es mir schwerfällt, eine völlig objektive Meinung darzustellen. Aber: I try my best … Yeehaw! 😉
Wir gehen auf keine Turniere und reiten keine klassischen Westernmanöver wie Spins, Sliding Stops oder Ähnliches. Wir gymnastizieren regelmäßig auf dem Platz und sind aktuell dabei, das Neck Reining (einhändiges Reiten) zu erlernen. Unser Westernsattel steht allein zwischen Dressur- und Springsätteln in der Sattelkammer (Stand2015). Das bedeutet: Wir sind der bunte Hund unter lauter Dressur- und Springreitern. Das hat Vor- und Nachteile.
Einen Nachteil merkt man schnell: Man kann sich nicht mal eben eine zweite Meinung holen, da alle anderen Reiterinnen am Stall eine andere Reitausbildung haben. Ein klarer Vorteil hingegen ist, dass wir selten das gleiche Pad oder dieselbe Reithose tragen wie das Nachbarpferd bzw. die Nachbarreiterin 😉
Doch zurück zum Thema: Worin unterscheiden sich klassische Reitweise und Westernreitweise?
Im Folgenden liste ich die Unterschiede in der Grundausbildung des Pferdes auf.
Klassische Reitweise
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Der Reiter wirkt mit stetiger Kontrolle auf die Bewegung des Pferdes ein (Taktgebung mit dem Bein).
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Es besteht eine konstante Verbindung zum Pferdemaul – die sogenannte Anlehnung.
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Das Pferd steht an den Hilfen des Reiters; Anlehnung, Aufrichtung und Versammlung stehen im Fokus.
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Schwungvolle und taktreine Bewegungen werden gefordert.
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Die Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp werden in unterschiedlichen Intensitäten geritten (Arbeits-, Mittel- oder starker Trab).
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Das „Sahnehäubchen“ sind Piaffe (versammelter Trab auf der Stelle) und Passage (ähnlich der Piaffe, jedoch mit leichter Vorwärtsbewegung).
Westernreiten
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Der Reiter gibt ein Signal für die gewünschte Gangart. Ist das Tempo erreicht, werden keine weiteren Hilfen gegeben. Das Pferd behält das Tempo, bis es wieder durchpariert wird.
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Der Reiter reitet am langen Zügel, ohne ständige Verbindung zum Pferdemaul.
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Das Pferd soll den Kopf locker und rund in Richtung Boden tragen – ohne konstante Anlehnung.
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Das Pferd weicht dem Druck und reagiert auf minimale Schenkelhilfen.
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Auch hier gibt es Schritt, Trab und Galopp in unterschiedlichen Intensitäten.
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Zusätzlich existiert der Jog, ein langsamer, sehr bequemer Trab – ideal für lange Arbeitstage im Sattel, wie sie Ranchworker kannten.
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Neck Reining: Das Pferd folgt dem Zügel, der am Hals anliegt, und schlägt selbstständig die gewünschte Richtung ein.
Herkunft der Reitweisen
Ein wesentlicher Unterschied liegt im Ursprung.
Die Westernreiterei stammt aus der Arbeitsreiterei. Cowboys und Buckaroos mussten sich voll auf ihr Pferd verlassen können, um die tägliche Arbeit auf der Ranch zu bewältigen – idealerweise mit einer freien Hand. Deshalb ist eine feine, zuverlässige Ausbildung unerlässlich.
Die klassische Reitweise hingegen hat ihren Ursprung in der höfischen Reitkunst und dient vor allem repräsentativen und künstlerischen Zwecken. Das harmonische Gesamtbild von Pferd und Reiter steht im Vordergrund.
Turnierdisziplinen Westernreiten (EWU – Auswahl)
(Inhaltlich unverändert, nur sprachlich korrigiert)
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Halter – Exterieurbeurteilung an der Hand
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Showmanship at Halter – Präsentation des Führers
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EWU Jungpferdeprüfung – für 4–5-jährige Pferde
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Trail – Geschicklichkeitsparcours
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Western Pleasure – ruhiges, gelassenes Pferd am losen Zügel
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Western Horsemanship – Fokus auf Reitersitz und Präzision
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Western Riding – fliegende Galoppwechsel und Linienführung
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Reining – Spins, Stops, Galoppzirkel, Rollbacks
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EWU Superhorse – Kombination mehrerer Disziplinen
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Working Cowhorse – Pattern & Rinderarbeit
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Cutting – eigenständige Arbeit am Rind
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Team Penning – Rinder sortieren im Team
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Barrel Race – Tonnenrennen auf Zeit
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Pole Bending – Zick-Zack-Parcours
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Führzügelklasse – Kinder 4–8 Jahre
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Walk-Trot Classes – Kinder 6–14 Jahre
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Walk-Trot Pleasure
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Walk-Trot Trail
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Ranch Riding – Arbeitswilligkeit & Vielseitigkeit
Bei allen Prüfungen spielt auch die Optik des Reiters eine Rolle – bunt und auffällig ist ausdrücklich erwünscht.
Turnierdisziplinen klassische Reitweise
Die klassische Reiterei unterteilt sich in Dressur und Springen mit den Klassen E, A, L, M und S, jeweils mit steigenden Anforderungen. Die Prüfungen sind klar strukturiert und leistungsbezogen aufgebaut. Springreiter können zwischen Stil- und Zeitspringen wählen.
Fazit: Welcher Reitstil passt zu mir?
Die Wahl des Reitstils ist letztlich eine Frage der Persönlichkeit und des Lebensgefühls.
Möchte ich elegantes Auftreten und sportliche Präzision oder lieber Freiheit, Lässigkeit und Abenteuer? Bevorzuge ich den ständigen Kontakt oder den losen Zügel? Turniersport oder entspanntes Gelände?
Unser Weg ist klar: Wrangler Jeans statt Cavallo Reithose.
Aber das Schönste ist: Gute Freundschaften entstehen auch zwischen Western- und klassischen Reitern – und genau so sollte es sein 😄🐎